GEDANKENQUALLEN von Cuno Sauerteig
Warum darf man Gedanken fallen lassen, altes Brot aber nicht wegschmeißen? Lassen Sie mich hier also alles aufheben was angeschwemmt wird im Kehrwasser des Bewusstseins, Wort für Wort, die Bedeutung des Wortes, das Wort das sich wandelt in Wort, das war, um zu sein, um zu werden (Alois Hergouth)
Mager ist er und von hartem Brot wird er nicht satt unser dürrer Textkörper. Es herrscht Bruchgefahr, die Angst vor dem Funken der vielbeinigen Worte. Sie haben Platz genommen? die Gemütlichen, die Unentspannten sowie alle dazwischen? Alle alleine, neben ihrem Abdruck, ihrer Vorstellung? Noch laufen uns die Worte hinter dem Vorhang davon wie herrenlose Straßenhunde, streunen tagelang ziellos unter leichtem Schwindel herum, bis sie ausgehungert in einem Satz nachhause springen.
Nein, es ist unmöglich in einem Satz heim zu kehren, weil sich darin zu vieles verpuppt. Sie dürfen sich das auch nicht so vorstellen, dass er nicht abschweife zwischen durch. Im Gegenteil zwischendurch schreibt er, zieht sich tagelang ins Unterholz zurück, denk Wochen über Wörter nach und je länger er darin herumirrt umso größer wird sein Heimweh. Jetzt zum Beispiel ist die Post vorgefahren, ich unterbreche um die Vögel zu füttern usw, das gebe ich ganz ehrlich zu, dass der nächste Satz frühestens Morgen an sie raus geht, weil jetzt die Post abgeht und hier ein ganzer Tag vergeht oder ein anderer. Sie sehen, da geht was und sie können mir vertrauen, ich bewege mich langsam aber verlässlich und erwarte mir das auch von ihnen, dass sie sich einbringen in mich. Ich schau schon nicht zu genau hin, wenn sie mal eine kurze oder lange Pause brauchen um ihr Vermögen umzuschichten und die aufgepickten Körner herunter zu würgen. Das ist vielleicht eine nicht ganz unwichtige Voraussetzung für eine praxistaugliche Beziehung, nicht immer zu genau hinschauen und die Nabelschnur müssen sie mir ja nicht mehr durchtrennen, was eventuell nicht auf Gegenseitigkeit beruht. Entschuldigung. Ich weis nicht was ich mir immer einbilde. Wir werden es herausfinden und sind uns also einig, sie werfen mir nichts vor und ich ihnen höchstens ein paar Wortsamen zum auflesen hin. Schlingen sie nicht, es ist kein Schnelllesewettbewerb. Auf dieser Basis lässt es sich sinnvoll weiter kommen. Nein lassen wir diese leeren Worthülsen, wir haben hier ja noch nichts entfalltet und ich spüre ihr verstecktes, berechtigtes Misstrauen, dass ich ihnen zu viel aufschichte. In einer Beziehung kann man sich versprechen, dass möchte ich uns ersparen, es fließt so schon genug zwischen den Zeilen davon, wo nichts ist, in den Zwischentagen, auf den Förderbändern des Alltags, zwischen Tatort und dem Weckerleuten muss man dem anderen auch vertrauen, dass er es gut meint und einem nicht den Abhang hinunter wirft bevor die Wörter fallen, sie ihnen nicht bei einem Tauchgang in tiefer Seele die Luftzufuhr durchtrennt usw. Gesagt ist nicht immer getan, manchmal schon, aber wir haben hier hoffentlich noch niemanden ermordet. Manche Wahrheit ist so grausam, dass man sie allein ertragen muss. Das habe ich von meinen Eltern gelernt, so schnell und einfach stirbt man nicht, meine Mutter hat mich zwar aus ihr hinaus und der Vater dann über den Stacheldraht geworfen aber sie haben mich gleich wieder aufgefangen, Zeit die Weisheitszähne zu fletschen. Was haben sie von ihrer Mutter gelernt? Schnitzel panieren? Auch nicht schlecht. Sie haben mich möglicherweise bitter nötig, ich werde sie sicher entbinden aus Ihrer Wackelzahnpubertät, ihren zusammengepuzzelten Nachmittagen, ihrer Leberkaspeppiwirtshausstuben- scheinunzufriedenheit. Danach gönnen wir uns gemeinsam einen Magenbitter, aber noch spüren sie meine Unsicherheit, wie ich meinen Platz suche in Ihrer Gunst und vor lauter Aufregung sie übel in den Schenkel beiße. Auf deinen Platz du räudiger Sprachköter!
Die diffusesten Schatten reißen mit ihren Absätzen die konkretesten Wunden, werfen die schwärzesten Blitze, zur Not, wenn sie hängen bleiben im Fluss, reiße ich ihnen die Nabelschnur einfach ab. Sie könnten ein Freund oder eine Freundin sein, dann benehmen sie sich bitte nicht wie ein Kunde, kaufen sie mir einfach nichts mehr ab, Katzen mit Herz, Vögerl mit Masche, Hakenkreuze mit Osterhasenohren, seltene Elemente mit politisch brisantem Gewicht. Ich habe sie nie über den Tisch gezogen, immer haben sie den Dreck bekommen nach dem sie gesucht haben, immer habe ich den Mund gehalten und einkassiert, obwohl ich sie dafür verachte, dass sie in ihrem Alter so einen Trauermückenscheißdreck nötig haben, immer noch einen Schuhkarton mit Kunstwolle und Heilsteinen unterhalten. Ich bin ein Lidlschuft in Asche, dennoch ist ein Wunsch in mir noch nicht verbrannt, ihnen etwas wichtiges mitzuteilen und es spricht wahrscheinlich nichts dagegen, es ihnen glatt und direkt vor ihre Temponase zu schreiben, (Sie werden mir schon nicht mehr davonlaufen, weil sie auch die leeren Regale kennen und ich sie ihnen aufschlagen werde zu abgelaufener Schlagsahne) dass es sich im Gedanken stetiger und hochwertiger lebt als im Fitnessstudio oder ihrer Aldimittelgangautowerkstatt. Dafür müssen Sie sich Zeit nehmen, den Gedanken als eine führende Qualität in ihrem Leben zu erkennen, er ist ihr einziger Tanzpartner der sie nie loslassen wird, immer mit ihnen im Wiegeschritt. Das ist das letzte was ich ihnen noch verkaufen möchte, mein Freund, dass das Leben ein Gedankentango ist und kein Set aus 100 Schraubenziehern und es tut mir wirklich leid, dass meine letzte Wahre an sie so trivial ist, ich nehme dafür keine Sammelpunkte und sie bekommen die Mehrwertsteuer zurück. Sammeln sie Sticker?
Es gab eine Zeit in meinem Leben, da hat mir dieser Schatten frostige Angst bereitet, mir die Schultern schwer gemacht, der Gedanke aus dem es kein heraus gibt, weil man mit jedem Heraustreten wieder hineinschwingt. Heute noch darf ich die richtige Dosis am bewusst werden der eigenen Gedanken nicht verfehlen, rechtzeigig die Notbremse ziehen bevor Panik ausbricht, sich die sogenannte materielle Welt aufzulösen beginnt.
Nun an dieser Stelle werden Sie mir vielleicht zum ersten mal heftig wiedersprechen, aber haben Sie ihre Gefühle im Griff! Sie können jetzt gehen, sich etwas Nervenfutter holen, aber sie werden gleich wieder kommen, weil sie nichts finden werden. Ich kenne sie schon ein klein wenig, ihre Gefühle, sie werden gleich wieder kommen, nachdem sie die Katze oder ihr Smartphone kurz gestreichelt haben. Da müssen wir uns durchrudern zum sicheren Gedankenhafen, unser Boot ist morsch und unter uns die Tiefsee.
Lassen sie uns einen Prozess in Gang setzen an dessen Ende wir uns nicht verurteilen. Sie folgen mir noch? nicht aus Höflichkeit oder Unaufmerksamkeit? Lassen sie uns neu beginnen, verpassen sie mir nicht hier und jetzt den ersten und letzten Stich nur weil sie an ihren Gefühlen hängen, gestatten sie mir erst einmal ein Gedankenhäuschen für uns zu errichtet, was ja durchaus eine zermürbende Herausforderung ist, die sogar die Dümmsten am Lande leisten, Wohnraum schaffen, später werden wir gemeinsam darin den Kamin mit unseren Gedanken beheizen, glauben sie mir, das ist erneuerbare Energie auf höchstem Niveau, ich werde sie nicht mehr kränken und sie nicht mehr krank sein, werden gemeinsam darin wohnen ohne bröckelnder Fassade, Schimmelflecken und Mieterhöhungen, von Kindern möchte ich erst gar nicht beginnen, früher bestand der menschliche Körper angeblich aus 96% Wasser, heute aus 98% Plastik, die tun mir einfach nur leid. Das beruhigt die Situation zwischen uns doch jetzt ein wenig, wenn wir Ziele definieren, über die Zukunft sprechen, unverbindlich über Pläne plaudern und ich ihnen keine Dachschindeln mehr vom Kopf stoße. Da fühle ich mich selber wieder wohler in diesem Körper, wenn wir gemeinsam Zeit verbringen. Meine Mutter Elfriede würde sagen, in ihrer Textvagina verbringen. Ich weiß nicht warum sie immer so verwuchert ist. Bitte gehen sie sich halt die Hände waschen. Man kann es sich nicht aussuchen was im Adventkalender drinnen ist oder wie man früher war, wie man werden möchte aber schon. Ein schöner Ausblick, öffnen wir das Fenster und siehe da, Heute kommt Schnee. Silvester. Alle röcheln schon euphorisiert, gefrorenes Wasser, Glückshormone, die Sorgen sind vergessen, es sickert unkontrollierte in uns ein, schießt kontrolliert aus der Schneekanone, ich fühle mich jung wie Pulverschnee. Das Wetter ist perfekt, es macht uns ständig Probleme, das ganze Jahr über ist April, am Bürgermeister entladet sich der Unmut, er ist Schuld am Hochwasser und in uns kocht die Unzufriedenheit während wir im Thermalwasser vergehen, also 4x im Jahr auf die Malediven, etwas runter kommen von dem Wahnsinn zuhause, die Zeiten sind sehr schwierig, ein paar Tage Dampf ablassen nach Dubai weil sonst die Teuerung unser letztes Geld auffrisst, Dubaischokolade kostet schon 18,40 und die Politik tut nichts dagegen, solche Zustände sind unerträglich, wir müssen fortfahren, am liebsten für immer dort bleiben unter den Palmen, weil bei uns zu viele Bannanfresser herumlaufen in Favoriten. Luftmatratze, Deo und Sonnencreme, Diesel volltanken und ab in die Sünde. Die Kinder sollen auch noch etwas abbekommen von den Bröseln die noch übrig sind, vom Lebenskas, vom Lebkuchen, den Korallen, mit Papi Jetski fahren und Oktopus fangen, während Mamma ihre Froschschenkel auspackt und sich von einem potentiellen Wirtschaftsflüchtling warme Steine auflegen lässt. Am Abend beim Sonnenuntergang ist Mutti vor lauter An- und Endspannung ganz in sich, während Papa am Griller der Oktopus anbrennt. Kinder, heute gehen wir zum Grichen und irgendwann bleiben wir dann dort. Entschuldigung an diesem Bild möchte ich nicht länger arbeiten, es reicht, dass es ganz in meiner Nähe wohnt, nein nicht in Favoriten, diese verzweifelte Gier nach den letzten Resten und angebrannten Reizen. Na sie sind mir ein Skihaserl, warum sagen sie mir nicht, dass mir die Bindung aufgegangen ist. So kommen wir hier nicht weiter, sie liegen da, ausgebrannte Silvesterkracher, wir brauchen neue Vorsätze.
Nachsatz, ich bin schon wieder von der Route abgekommen, ich weiß auch nicht warum ich sie plötzlich mit solchem Pesthauch überschütte, meine Laune ihnen gegenüber so einfach von Satz zu Satz kippt und sich überhaupt alles immer in sein Gegenteil verkehrt, bedenken sie es, wenn ich sie sage, meine ich natürlich mich damit, ich fühle mich ja genauso pervers und versuche einfach den Scherbenhaufen im Spiegelkabinett zu verstecken, so wie die Türken sich in Favoriten oder die ausgebrannten Österreicher in Thailand. Das ist überhaupt die größte Fluchtbewegung aller Zeiten, die der Urlauber mit ihren Hobbyharpunen aber das wird ja nicht gezeigt im öffentlichen Lügen TV. Wir brauchen private Propaganda. Möchten sie ein Ice mit ganz hartem Kern? Brauchen Sie eventuell ein Schmerzmittel? Ich könnte jetzt eines gebrauchen. Legen sie sich einen satten Vorrat an Schmerzpillen zu, weil ich ihnen etwas sagen werde das schmerzhaft ist, dass ich im höchsten Ausmaß ungebildet bin, ein Hochstapler mit leeren Regalen, ein Teilzeitmisanthrop der die Anzahl der Zeitgenossen, bei denen er im ersten Augenblick keine Genugtuung empfinde, wenn ihnen ein Unglück wiederfährt, an einer Hand abzählen kann und einen Finger können sie mir auch noch abhacken, so, und jetzt rechnen sie sich aus, ob sie dazugehören zu den vier übrigen Fingern, sie Däumling, meinetwegen lassen wir den Finger dran, sie zählen wir natürlich auch noch mit. Das müssen sie jetzt also auch noch, am Anfang dieser Bauarbeiten über sich ergehen lassen und mir bitte glauben (schon wieder glauben), dass ich nur Nannoplastik im Kopf habe (im Vergleich zu mir ist Spongebob ein großartiger Gelehrter) im ersten Augenblick, ich erst darüber nachdenken muss, damit wir die zweite Hand auch noch brauchen und eine dritte und vierte vielleicht auch noch usw., ich vorhandenes lediglich neu zusammensetzen kann und sie von mir überhaupt daher nur das aller wenigste lernen können und schon garnichts Neues oder über den Glauben oder die Groß- und Kleinschreibung. Über eine Ecke wohnt ein ehemaliger Priester, der hat mit einer Blondine gevögelt, ist dabei aufgeflogen und jetzt mit der gleichen Inbrunst (vulgo Grillzubehör) Versicherungsverkäufer. Von dem können sie sicher etwas lernen Punkto Sicherheit, der kann nicht einmal einen Schnürsenkel binden, weil das immer seine Putzfrau für ihn gemacht hat. Ich möchte nicht wissen womit er ihr sonst noch den Mund gestopft hat außer mit Hostien, der freche Bengel in seiner absurden Verkleidung auf der Kanzel. Da gibt es bestimmt viel Potenz zum Saubermachen in dieser oder jener Gemeinde, wir fordern Einblick, volle Transparenz, da reicht keine Haushaltsversicherung. Nichts gegen die Idee von Herrn K am Kreuz aber bei den Skandalen heutzutage würde es mich nicht wundern, wenn der auch eine Putzfrau hat, nicht nur einen blauen Heiligenschein. Es wird sie schon geben die holden Menschen, den Feuerwehrmann der selber den Brand gelegt, den Polizisten der die Leiche im Wald vergraben. Es wird sie schon geben diese Zahnlücke und die dazugehörige blonde Zahnärztin. Ich kann das nicht alles herunterwürgen, dieses saubere Selbsbild, die strahlenden Zähne, den Dunst der blauen Köche. Eisbaden ist gesund, hilft das braune Fett zu verbrennen.
Verwechseln wir aber nicht das Bedürfnis nach Sicherheit mit dem Glauben, weil wir überall an die Grenzen des eigenen Wissens stoßen beim Vögeln, Herr Pfarrer. Brechen sie nicht gleich ein und rennen in die nächste freie Kirche, haben Sie Geduld und bilden sie sich. Klammern sie sich nicht fest an Rosenkränzen, wir lassen sie sonst fallen wie einen brennenden Dornenbusch, vorbei ist dann vorbei, Zinsen oder gar eine Rückzahlung dürfen sie sich dann keine erwarten von mir, obwohl sie so pünktlich einzahlen im Sparverein und immer den Gehsteig penibel vom Schnee befreien. Sie machen das gut, sie machen mich wahnsinnig, dann wärmen Sie sich halt an Ihrem Gott mit einem guten Tropfen Rotwein, er wird Ihnen schon die Hölle heiß machen, setzen sie sich an ihren offenen Ofen und schauen Zeit im Bild, wie die Kellner aus ihrem Urlaub beim Eisbaden ersaufen. Das erwärmt Sie? Wir sollten abschließen miteinander. Sie sind ein unausgebildeter Klotz am rechten Bein. Hier. Nehmen Sie diesen Begriff damit wir uns im nächsten Satz wieder finden können. Ich möchte hier nicht stehen bleiben müssen mit Ihnen, wir haben hier nichts verloren. Doch, sie haben enormes Glück, im Softdrinkgang zur Welt gekommen, dass ich sie von diesem Berg wieder herunterführe, wie oft ich mir schon vorgestellt habe, dass ich… Doch, der Vorteil ist klar auf Ihrer Seite, sie merken es nur nicht vor lauter Selbstmittleid, Größenwahn und ihrer glatt rasierten Krone. Sie können das göttliche nicht auslagern ins Jenseits, sondern nur es nur verwirklichen, hier und jetzt. Die Hölle, das sind nicht die anderen, die Hölle, das bin zunächst Ich.
Wenn wir hier also weiter kommen wollen, müssen wir eine andere Spielart finden. Hören sie mir überhaupt zu? Manchmal kommt mir vor, ihr sensibelstes Organ ist ihr Fußpedal. Ich kann Ihnen da nicht weiterhelfen, wir sind nicht im selben Gedankengang, sehen sie nicht das Licht am Ende des Tunnels oder ist es eine Orgel? Musik kann mehr ausdrücken als tausend Worte? Bitte sagen sie uns mit Ihrer Trompete das Alphabet auf oder lesen sie das alte Testament mit einer Maultrommel. Vergeigen sie es nicht. Musik ist Abdruck, Ausdruck, Eindruck von Sprache, eine Stimme vielleicht aber nicht die Sprache. Nur Sprache ist Sprache Herr Savall, oder sind Sie etwa ein Kirschbaum?! Die Sprache erfasst und beschreibt die Musik, erhebt sie von der unkonkreten Emotion ins konkrete Bewusstsein aber in einem gebe ich Ihnen Recht. Liebe braucht Zeit, das haben sie so schön gesagt und nicht auf einer Gambe gespielt. Erkenntniss ebenfalls und Selbsterkenntnis ist die Ewigkeit. Sage ich Ihnen, kann ich Ihnen leider nicht vorspielen. Sie beharren noch immer darauf, Musik sei eine universelle Sprache Herr Savall? Da schau her und warum sprechen Sie dann im Radio Deutsch mit uns, spielen uns ihre Meinung nicht vor? Puppentheater. Was? Sie spielen keine Gambe? Verstehen Sie nun, wie fahrlässig man die Instrumente verwechseln kann? Na also, da haben wir nun etwas. Speichern unter! Musik ist keine Sprache, sondern Krabbeln der Engerlinge im Bauch. Insekten. Wichtig für den Kreislauf. Die Sprache geht ein in die Musik, eingewoben und aufgehoben auf eine beschreibbare Ebene, bleiben sie bei Bewusstsein. Kippen sie mir jetzt bitte nicht weg, halten sie sich an diesem Textgut fest. Es gibt so vieles, dessen Fäden verführerisch glänzen, doch sobald wir greifen nach diesen sinnlichen Grillen, reißen sie trügerisch ab, werden gedachte Vorstellung was sie immer schon waren.
Welche Nachtfalter hat uns die Kassiererin sonst noch in den Betonkopf boniert? Überprüfen Sie es akribisch, einen Spaziergang im Schnee mit dem Hund, ein paar Bilder fürs Profil, einmal nach Hause kommen von den Seychellen, sprachlos von den exotischen Eindrücken, dafür mit einer Pandemie im Rachen. „Danke Austrian Airlines“. Sicherheit, Glauben und Schweinsbraten. Sie Holzkopf. Das ist alles schwierig auseinander zu halten, sie sollten nicht denken, dass es mir da anders geht oder sie einfach so auf einen Berg steigen können ohne einen Eispickel. Ich habe sie gewarnt, dass ich abweiche von der Rute und sie haben mir versprochen es mir zu verzeihen. Also kommen sie mit. Wir haben den 13., Zeit sich ein paar Gedankenblasen zu machen in dünner Gebirgsluft. Sie sehen ich bin nicht sicher unterwegs auf diesem Pfad, lesen sie vielleicht lieber das Handbuch der freiwilligen Feuerwehr. Spenden Sie, damit sie rechtzeitig da ist, wenn alles in Flammen auf geht und nicht zuerst zum Nachbarn löschen fährt. Da wird es dann stürmisch, das Wetter, der Glauben, ihr Heim und Gut. Sicherheit, steht da doppelt am Kassenbon. Das markieren wir mit einem Punkt. Doppelte Sicherheit. Da lässt sich etwas daraus machen. Hier, diesen Gedankentropfen von Thoms Brasch können sie Ihrer Versicherung vorlegen und kündigen:
Was ich habe, will ich nicht verlieren
Was ich habe, will ich nicht verlieren, aber
wo ich bin, will ich nicht bleiben, aber
die ich liebe, will ich nicht verlassen, aber
die ich kenne, will ich nicht mehr sehen aber
wo ich lebe, da will ich nicht sterben, aber
wo ich sterbe, da will ich nicht hin:
Bleiben will ich, wo ich nie gewesen bin
Gedichte sind wie große lange Sicherheitsnägel mit denen man sich aus dem Eis befreien kann.
Deine Sorgen möchte ich habe, ohne meinen Rollstuhl komme ich nicht einmal zum See, geschweige denn, dass ich jemals werde Eislaufen können, zerbrichst dir deine dünnen Eisschichten im Kopf mit Gedankennägeln. Um meinen Katheter zu wechseln, brauche ich einen geschickten Pfleger, keinen drittklassigen Wortzerleger. Wintertomaten aus einem künstlichen Gewächshaus sind deine Wortfrüchte, was ich aber brauche ist eine Bluttransfusion, keine geistigen Ausflüchte. Wünsche jedem Künstler ein künstliches Gelenk, weil der Schmerz nicht besser wird durch ein morphines Lyrikgetränk.
Höllenschmerz, chronischer Schmerz, anfallartig, neuropathisch, viszeral, somatisch, kurzfristig pochend, Schlaganfall, Schnittwunde, Nierenkolik, Schmerzattacke, Ruheschmerz, ausstrahlender Durchbruchschmerz
Machen sie jetzt kein Theater, uns reicht schon diese Vorstellung, ist ihnen schon einmal ein Gedanke gebrochen oder haben sie einen Satz auf einem MRT Bild entdeckt? Aus welchem Material ist ein Gedanke? Je älter und gebrechlicher die Knochen um so stärker sollten die Sätzlinge wachsen, beeilen sie sich, geistige Gesundheit und Selbsterkenntnis sprießen nicht im Gemüsebeet, ihr Körper verrottet am Laufband, da gibt es keine Umkehr, heute eine Augenweide, morgen eine Trauerweide, höchstens ein rückwärtsgewandtes Hinauszögern. Allgemeine Wahrheit ist konstante Gesundheit, es braucht zwar auch ein wenig Anstrengung und Pflege, doch ist sie einmal erkannt, wird sie ihnen niemand mehr amputieren müssen, unteilbar ist sie, frei vom Zeit- und Raumschmerz. Schauen sie sich meinen Körper mal an (ich meine natürlich diesen Textkpörper), ist er nicht vitale Einheit, stark genug um das Leid der vergänglichen Muskelmasse und den dementen Kopf in sich aufzunehmen? Was? In diese Grammelschmalzgrammatik möchten sie nicht einziehen, erscheint ihnen unbewohnbar? Vielleicht besser so, ich brauche sowieso meine Ruhe, wie soll ich mich sonst weiter entwickeln, wenn sie ständig so clever herumschwirren, bleiben sie einfach in ihrem Blinddarm und ihrer straffen Fetthaut wohnen. Ihr Haus ist aus Ziegeln, meines in Mauer, das eine versichert das andre auf Dauer. Der Mensch braucht ein Luftschloss und eine Lehmhütte zum glücklich sein, nehmen sie diesen Bausatz, näher kann ich ihn nicht herantransportieren. Der Mensch braucht den Menschen, ich kannte einen der hat mit über 200 Pfauen zusammen gelebt, schon in der Hofeinfahrt – Pfaue, auf der Regenrinne – Pfaue, hinter dem Haus – noch mehr Pfaue, sogar in der Küche – zwei Pfaue und ich lüge nicht, manchmal ist ihm ein Pfau auf dem Kopf gesessen. Schließlich sind ihm die Tiere in den Dachboden eingedrungen, er hinterher, bricht ein und sich das Genick. Nur wenige Tage später sind die Paradiesvögel verschwunden und der alte Bauernhof wurde abgerissen. Stellen sie sich vor, die plötzlich herrenlosen Pfaue wurden nach Favoriten gebracht, treiben es dort am Kirchturm mit den Tauben. Wo man hinsieht bunte Vögel, im Dönerladen – Pfaue, in der Fußgängerzone – Pfaue, im Park werden sie mit Baklava gefüttert und ich habe sogar einen mit Kopftuch gesehen. Wie darf ich mir das vorstellen? Sie gehen wandern am Berg, genießen die Natur und denken darüber nach wie sie Pfaue vergiften im Park? Wo man hinsieht Schilder: Pfaue füttern streng verboten! Sie haben sich aber immer schon an die Friedhofsordnung von 1938 gehalten:…
Das sollte reichen, genug aufgeladen und gegenseitig herunter gemacht, wir sollten an die Arbeit gehen. Konzentrieren sie sich. Sie glauben also immer noch, dass zum Beispiel ihr Auto, um ein nahestehendes Beispiel aus ihrem Leben zu nehmen, unabhängig von ihrem Denken existiert? Stoßen wir die Billardkugeln neu an und machen einen Kratzer in ihren Lack. Mit welchem ihrer Sinne nehmen sie das Sein ihres Vehikels wahr, das ja da draußen ist und angeblich durch die Sinne nach innen in ihr Bewusstsein gelangt? Mit den Augen? Nein mit den Augen nehmen sie die schöne Farbe wahr, schließen sie ihre Augen und ihr Auto wird, daran habe ich keinen Zweifel, noch immer sein, weil sie es als seiend denken, sogar als unabhängig von ihrem Denken als seiend denken. Ich bitte sie noch einmal, konzentrieren sie sich oder es macht keine Sinn, das sie weiter lesen, sie müssen es selber erfahren. Sein sie ehrlich zu sich selber, schauen sie den Vorhang an und trennen sie ihre optische Wahrnehmung von ihren Gedanken. Was bleibt übrig, wenn wir das gedachte von der räumlich ausgedehnten Farbe abziehen? Hören sie auf zum lesen und konzentrieren sie sich. In ihrem Bewusstsein sind die Dinge in ihrer Umgebung als unabhängig von ihrem Bewusstsein. Das Sein ist kein Zustand der räumlichen Welt, sondern eine allgemeine Vorstellung ihres Bewusstseins, welches diese Vorstellung den einzelnen Teilen der räumlichen, sinnlichen Welt zuschreibt. Das Sein, die Trennung des Seins in Seiendes und Wahrnehmendes, das und noch viel mehr, nehmen sie nicht mir ihren Sinnen wahr. Durch welchen Sinn (oder Unsinn) gelangt ihr Ich in ihr Bewusstsein? Sie glauben doch an ihr Ich. In der siebenten Woche hat sich ein Stück vom Ich ihrer Mutter abgelöst und ist durch die Nabelschnur in sie hinein, dort dann durch den Zellhaufen durch in den Kopf, sich dort ein gemütliches Plätzchen eingerichtet um sich von dort aus mehr oder weniger wichtig zu machen die nächsten Jahre. Daran glauben sie doch, dass SIE (also ihr Ich) existieren in der Welt, unabhängig von ihren Gedanken, dass sie und die Welt im Raum sind, das ist ihr fester Glaube, dass irgendein nobelpreisausgezeichneter ihren Kopf aufschneidet, einen DNA-Knäul herauszieht und sagt, das ist ihr Ich. Und vielleicht werden sie dann so geistesgegenwärtig sein und antworten, das ist ein DNA Haufen den mein Körper zum Leben braucht, lassen sie ihn bitte drinnen im Kopf, aber doch nicht ich, wieso vermischen sie Äpfel mit Birnen und Sprache mit Musik? Ich habe einen Körper aber der Besitzer ist doch nicht gleich mit seinem Besitz, sonst wäre er nicht Besitzer, sondern eben der Besitz. Hören sie, sie machen mich ganz verrückt mit ihrem Gerede, ich habe wichtigeres zu tun, meine Kryptowährung fällt gerade ins Bodenlose, ich bin kurz davor alles zu verlieren, das sind reale Sorgen, der Wasserfleck im Keller, die Ausbildung meiner Kinder, die Stromrechnung, mein Arbeitsplatz wackelt und du denkst darüber nach ob dein Ich im Körper ist oder doch eher einen Körper zu haben denkt? Ich gebe ihnen vollkommen Recht, hier haben sie es, es ist gut eingepackt, man kann sich nicht gut denken, solange der Körper am Abgrund steht, wir haben es schon gesagt, er braucht eine warme Lehmhütte bevor das Ich sich ein Luftschloss bauen kann. Heizen sie sich mit dem Recht gut ein, damit es recht gut warm ist und gehen sie bitte nicht auf den Dachboden solange dieser morsch ist, gehen sie lieber Joggen aber nicht zu viel damit die Knie nicht kaputt gehen und sie nicht mehr gehen können, setzen sie sich lieber hin und schauen sie sich ein paar Sätze Tennis an aber nicht zu viel damit sie die Sätze nicht durcheinander bringen, sie müssen am Ball bleiben bevor er zweimal aufschlägt am Heuboden, die schwarze Kugel ins Loch fällt. Vorschlag, wir springen gemeinsam da runter, das macht man doch so, gemeinsam durch dünn und dick gehen und weich landen im Swimmingpool zwei Zellhaufen. Das ist angenehm, da muss man sich nicht konzentrieren, alles ist wellnesseinfach. Immer mehr Frauen leben mit einem Hund zusammen anstatt mit Männern oder anderen Frauen. Aber wieso fällt mir das jetzt ein, hier wollte ich doch gar nicht hin, irgendwo bin ich falsch abgebogen obwohl ich doch nur im Liegestuhl sitze, später dann im Leibstuhl und noch später (oder früher) dann im eigenem Stuhl, das macht ihnen Angst, die Vorstellung ihrer Gebrechlichkeit. Auf diese Wunde sollten wir den Finger drauflegen, jeder greift in seine Wunde, ich den Gedankenfinger in diesen Körper und sie ihren Fleischfinger auf ihren Oberschenkel. Wir können auch tauschen, das macht man doch so, dass man sich gegenseitig hilft wenn man angst hat, blutet sich verirrt. Beißen wir die Zähne zusammen. Vorausgesetzt sie haben jemanden mit dem sie zusammen beißen können. Na hören sie mal, sie haben doch mich, aber das hören sie nicht, sondern denken sie, falls sie mitdenken beim lesen.
Erklär mir, was ich nicht erklären kann
es lebt unabwendbar
selbst im ewigen Augenblick des Abschieds
die Sprache
nach innen
in alle Richtungen
erhelle mir die Sehnsucht
nach außen
aus einem Satz erwächst ein anderer
das Leben
Trage diese Wörter
wie einen Mantel
der dich wärmt
Wer gelernt hat mit sich selber zu sprechen, braucht keine Angst mehr zu haben vor euren Fleischfetzen, keine goldene Uhr am Handgelenk. Ihr denkt doch nicht wirklich, dass ich euren Dialekt hinter akkuraten Hecken nicht verstehe? Mein Tinnitus erscheint mir jedoch interessanter. Aber ich frage mich, ob ihr der Dialektik des Lebens folgen könnt.
Vieles habe ich schon gelernt in meinem Selbstgespräch. Zum Beispiel, dass ich
mich weniger vor dem offensichtlich bösen außermir fürchten muss, als vor der scheinbar korrekten Schlangenhaut in mir.