Sprachbilder von Cuno Sauerteig

 

Gedankengewitter

Lächerlich, habe nie Malen gelernt und beinahe nicht Sprechen. Ihr könnt euch also selber aussuchen wie diese Skizze endet. Mit einem Blitz oder einem Donner.

Unweit einer Aldi Filiale im Industriegebiet steht ein Storch in einer vergifteten Wiese und beobachtet die Krise. Die Autobahn ist heute wieder komplett verstopft. Limousinen stehen umher und finden ihre Wege nimmer mehr zum ausgestopften Paradiese. Orientierungslos fahren sie, wie ein nächtlicher Schwarm aufgescheuchter Tauben, zum ausgebuchten Sonnendeck. Nur die Gesunden bleiben besonnen unter ihrem Blätterdach.
Wenn der Druck zu hoch wird, kochen wir eine Opferwurst. In der Hektik, verschlucken sich manche Borkenkäfer an ihrem eigenen Mercedesstern. Borkenkäfer sind relativ klein. Alle Insekten sind relativ klein. Jedoch Lichtjahre und Quantensprünge beeindrucken mich nicht. Dennoch laufe ich den absoluten Zahlen den ganzen Tag mit meiner Gehhilfe hinterher. Rasiere täglich meinen Grausverstand.

Faul liegen die Gedanken im Sommersumpf und werden von Mücken geplagt. Manche Wörter gehen langsam unter, andere legen Libelleneier aus denen mein Bart wächst. Für diesen Morast bräuchte ich einen Rasentrimmer. Aber zu viel Mähen bringt Unglück. Das verstehen die Insekten nicht. Viele junge Käfer werden schnell erfolgreich, können aber mit dem Erfolg nicht fliegen. Er bricht ihnen die Flügel. Manche werden erfolgreich alt. Eine Gottesanbeterin ist schon eine Greisin bevor sie in die Welt schlüpft.

In den Wolken ruht die Wut. Leise fängt sie an aufs Dach zu klopfen. Die Seen sind ausgetrocknet, die Seelen überflutet mit Blütenstaub und Werbematerial. Der Wind kämmt die Ordnung durch die Brennnesseln. Tausendfüßler sind Nichtschwimmer, verkriechen sich tief im Geruch des anschwellenden Orchesters, tauschen ihren Platz mit Schnecken ohne Schneckenhaus. Atme tief den Himmel im Mund herrscht Ruhe vor dem Sturm. Das Es, das Ich aber Du verkeilen sich im Rachen. Du räusperst dich, da fährt ein Blitz an mir Vorbei. Die Autobahn scheint wieder frei zu sein. Derzeit kenne ich nichts Lächerlicheres als Engerlinge in teuren Autos. Alte Menschen sollten Philosophen sein, keine Materialisten mit Statussymbolen. Wer nicht sofort seinen Reichtum an Ärmere weitergibt ist lächerlich. Ich bin lächerlich, fast das ganze Land, die Meere und der Österreich Pavillon in Venedig sind lächerlich. Die Welt Hungert und wir stellen uns aus und vieles vor. Hat Ihnen z.B. schon einmal eine überhitzte, mit Käse gefüllte Wurst beim Kochen ins Auge gespritzt? Nein? Aber auch das ist Teil des sich langsam aufbauenden Gewitters. Irgendwann kaufe ich mir einen Dacia und bringe meinen ganzen Nippes nach Afrika. Wenn du möchtest nehme ich deine 200 Pfauen mit. Aber noch lebe ich und ordne meine Zahlen. Besitz ist eine absurde Idee und der Keim vieler Kriege. Steuern zahlen ein Akt der Solidarität. Schafft endlich die Erbschaft ab und die ungleiche Entlohnung.

Heimlich bewundere ich jene die mit dem Zug fahren. Der Regen wird stärker,  ich trage immer ein kleines weißes Gehirn in der Hosentasche. Das beruhigt mich. Als Beweis, dass ich  noch wer bin, während ich meine Zahlen in kleine Beutel stecke damit meine Zähne nicht verfaulen. Wie kann man sich schon am Mittwoch so träge aufregen? Oder ist schon Donnerstag? Ab Freitag können die Sammelmarken im Supermarkt eingelöst werden. Aber bitte nicht ums Kanonenfutter streiten. Es wird hageln. Neun Milliarden Menschen auf der Welt und eine Milliarde Rinder. Die tragen wir dann früher oder später auf dem Rücken oder den Füßen. Die Zukunft im Bauch. Überziehe meinen Text noch schnell mit Schellack. Auch ein Müller muss einen Hahn und eine Katze halten, um pünktlich aufzustehen und der Mäuse Herr zu werden. Ich halte mir eine Drahtkugel im Rachen damit ich der Realität Frau werde. Im Trend sind heuer aber Ketten um den Bauch. Folgende drei Fehler solltest du dieses Jahr deshalb nicht während eines Vorstellungsgesprächs unterlassen.
Wenn zu mir jemand in die Praxis kommt, sich bewerben möchte, weis ich sofort, es ist ein Wastl im Anzug, ein Schnösel der sich für Gott hält. Ich rieche Erbärmlichkeit in Markenkleidung auf den ersten Blick. Nein, dir kaufe ich ganz bestimmt keine Lebensversicherung ab. Natürlich ist die Tod sicher. Manchmal kann man sich täuschen. Und abends weint Herr Gott im Suff. Ich setze auf die Wahrheit auf den letzten Blick. Geduld. Es hat aufgehört zu regnen, das Gewitter ist eine Kusshand weit entfernt gezogen.

Die meisten von uns sind nicht über ihre Kindheit hinausgewachsen. Kleben Lebensjahre ins Panini Album. Besitzen, prahlen, zerstören, Ameisen zerschneiden und Frankfurter fressen. Glauben noch an Märchen aus dem Mittelalter, brauchen immer eine Schuldige, wählen die FPÖ oder die AFD weil sie trotz fetter Karre sich selber nicht wahrnehmen, tragen Smartwatches am Handgelenk. Das ganze Unglück der heutigen Zeit hat angefangen als Grönemeyer gesungen hat „Kinder an die Macht“ und alle Eltern sind dahin geschmolzen. Im Text ist eigentlich „Kinder gebt Acht“ gestanden. Er hat sich verlesen und es wurde zum Hit. Wir verdanken all die jungen Egonarzisten die sich und die Bäume umarmen einem Verleser der die Hormone weckte. Nein ich habe kein Problem mit Kindern. Yoga, Wellness, Farbklekse machen, im Eigenheim Grillen und Chillen ist schon wichtig aber ergänzt nur das was uns Menschen ausmacht. Die Fähigkeit zu denken, sich eine gemeinsame Welt vorzustellen und sie in Taten umzusetzen. Damit meine ich nicht das nächste Feuerwehrfest.

Ich werfe den Stein von mir, er bleibt ungereimt an meiner eigenen Hand kleben.

Gedanken eines Taugenichts

Manche Menschen und ihre Fähigkeiten lassen Neid in mir aufkommen. Wer bewundert sie nicht die Sprachvergolder, die Restauratoren von NotreDame, die Imker die ein ganzes Bienenvolk auf ihrem Körper landen lassen. Felswandkletterer und Seiltänzer, die ohne Sicherung ihren Körper sicher über Klippen manövrieren. Kühne Feuerschlucker, Hütchenspieler, Imperium Bauer, Privatmuseum Betreiber, Buchautoren, Welteneroberer, Bühnenstars, die einfach Zufriedenen, mutige Tierschützer, brillante Köpfe die 14 Sprachen sprechen und uns die Welt erklären. Hässlicher Neid. Wie Wasserdampf steigt er hoch von ganz unten, wo er anfängt zu brodeln, bis in den Bauch wo er brennt und drückt in den Nächten. Man gewöhnt sich daran, wird krank davon.

Wer von uns Mittelmäßigen schaut nicht bewundernd zu ihnen herauf zu den die keinen Alkohol brauchen, keine Drogen, weil sie sich mit dem Pinsel durch Raum und Zeit rauschen, mit Sprachlianen Urwälder umranken, ihrer Ausdauer das Sonnensystem durchqueren, ihrer Schauspielkunst Millionen Zuschauer in andere Welten entführen.

Wir, die mittelmäßigen, die immer nur angestrengt hinter her laufen hinter unseren Idealen, denen die Nase rinnt und die Füße stinken, wir ziehen keuchend unseren schäbigen Hut vor euch, denken uns, vielleicht ist unsere Zeit noch nicht gekommen, während sie eigentlich schon längst verflossen ist. Solche Talente werden in der Kindheit vergeben, später ist jeder Schweiß vergebens mein Freund. Du kannst 70 Jahre schuften, du bleibst ein Knecht des Mittelmaßes mit ruiniertem Bewegungsapparat. Schulterst Ziegelsteine kreuz und quer, rührst Mörtel mit Hoffnung an und baust Gerüste aus Träumen. Kaufst mit 79 noch trügerische Rubbellose, liest Zeitungsanzeigen von Dr. Böhm.

Ich möchte ehrlich zu Ihnen sein. Ich kann nichts. Ja, ein paar bescheidene Techniken wie Zehn Finger Schreiben. Nicht einen Satz kann ich singen, selbst beim Lesen stolpere ich ständig über herumliegende Wörter. Zuhören, Feuer entfachen in einem Gespräch? Leider nein. Höchstens im Selbstgespräch. Vielleicht Schmieden, Schnitzen, Honig machen, Modellieren, Mahlen oder zumindest Autos oder Rasenmäher reparieren. Nichts von all dem habe ich wirklich jemals beherrscht, nicht einmal naiv. Bin ich rücksichtsvoll, empathisch, habe ein gutes Gedächtnis, wirke sympathisch? Ein gutes Herz, viele Freunde? Ich habe keine Ausbildung und kein Talent. Kann mich eigentlich immer nur so über Wasser halten. Auch wenn Sie es nicht glauben und vielleicht denken, dass ich das nur so schreibe um Sie zu beeindrucken. Ich meine es ernst. Ich stecke mit 44 noch immer in einem Schwimmreifen und bin immer kurz vor dem Untergehen.